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WB-Entscheidung
Fassade Arena 2000

Chronologie eines Verfahrens ohne Kooperation mit der ZT-Kammer

Im Mai 2012 lobte die Arena 2000 Errichtungs- und Finanzierungs- GmbH aus Fohnsdorf einen offenen, einstufigen Realisierungswettbewerb im OSB (Oberschwellenbereich) zur Erlangung von Vorentwürfen für die optische Neugestaltung der Fassaden des multifunktionalen Zentrums „Arena“ in Fohnsdorf aus. Der Wettbewerb wurde ohne Kooperation mit der ZT-Kammer für Stmk + K durchgeführt.

Da einige Bestimmungen zum Nachteil der WettbewerbsteilnehmerInnen waren und die Ausloberin nicht bereit war, diese entsprechend zu überarbeiten, hat die ZT-Kammer von einer Teilnahme am Wettbewerb abgeraten und eine Warnung ausgesprochen.

Kommentar der Kammer
_ Unter anderem wird das Preisgeld für den Gewinner in Höhe von Euro 25.000,00 beim Vorentwurf zur Gänze angerechnet.
_ Darüber hinaus sieht die Absichtserklärung des Punktes B 2 der Ausschreibung vor, dass lediglich 55 % der Teilleistungen (Ausführungsplanung/ Kostenermittlung/ künstlerische Oberleitung/ technische Oberleitung, somit nicht Entwurfs- und Einreichplanung) beauftragt werden sollen.
_ Weiters ist die Regelung bzgl. des Eigentums- und Urheberrechts (Ausschreibung Punkt A. 11) äußerst bedenklich. Sofern der Auftragnehmer/ die Auftragnehmerin Teilleistungen erbracht hat, ist der/ die BauherrIn dazu berechtigt, im Falle der vorzeitigen Vertragsauflösung die Pläne auch ohne weitere Mitwirkung oder Zustimmung des Auftragnehmers/ der Auftragnehmerin zu verwerten sowie das Bauvorhaben auch ohne weitere Zustimmung des Auftragnehmers/ der Auftragnehmerin selbst zu vollenden und zu verändern.

In Folge haben drei Architekturbüros, ein Baumeister sowie ein Künstler an dem Verfahren teilgenommen. Das Preisgericht wurde nach der 1. Sitzung (24.09.2012), in der kein Ziviltechniker vertreten war, auf unbestimmte Zeit vertagt, weil es sich bei zwei Projekten im letzten Wertungsdurchgang nicht für einen Gewinner entscheiden konnte. Der Ablauf wurde in einem Protokoll festgehalten (siehe: umfassende Dokumentation des Verfahrens).

Schließlich verschickte die Ausloberin am 08.11.2012 ein Rundmail, in dem den Wettbewerbsteilnehmern mitgeteilt wurde, dass die Jury eine Kombination aus den beiden Projekten für sinnvoll erachten würde. Die Verfasserbriefe waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht geöffnet worden, so wusste man nicht, um welche ArchitektInnen bzw. TeilnehmerInnen es sich handelte. Die Jury beabsichtigte, „die beiden favorisierten Projekte gemeinsam als Gewinner darzustellen und in weiterer Folge das Preisgeld zwischen den beiden aufzuteilen. Dies mit der weiteren Konsequenz, dass sich die beiden Teilnehmer im Falle einer Beauftragung zu einer Planungsgemeinschaft zusammenschließen und das Projekt gemeinsam ausarbeiten müssten.“ Die Teilnehmer wurden in dem Schreiben weiters ersucht, dem Vorschlag der Jury zuzustimmen, bzw. eine Stellungnahme innerhalb von 14 Tagen abzugeben.

Letztendlich wurde der Vorschlag der Jury angenommen, es siegten ex aequo das Architekturbüro gaft&onion ZT-KG aus Graz und Baier Thoma Architekten aus Knittelfeld. Den dritten Platz erlangte der Künstler Peter Machel aus Feistritz/ Knittelfeld. Im ersten Wertungsdurchgang ausgeschieden sind Arch. DI Joachim A. Wieser und das Baumeisterbüro Planmitt aus Obdach. Ein Protokoll zur endgültigen Entscheidungsfindung existiert nicht.

Resümee
Hätte die Ausloberin die Bedingungen für eine Kooperation mit der ZT-Kammer erfüllt, wäre die Teilnahme an diesem Verfahren (immerhin im Oberschwellenbereich) möglicherweise für viel mehr Architektenteams attraktiv gewesen - bestimmt auch, weil bei einer Kooperation ein Kammermitglied in der Jury vertreten gewesen wäre. Eine höhere Anzahl von Entwurfsvorschlägen hätte sehr wahrscheinlich einen eindeutigen Sieger hervorgebracht. Das vorliegende Ergebnis ist vermutlich für alle Beteiligten wenig zufriedenstellend.

Das Wettbewerbe-Portal der Bundeskammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten www.architekturwettbewerbe.at bietet Auftraggebern und Auslobern umfassende Informationen und unzählige Beispiele für eine ordentliche und professionelle Verfahrensauslobung- und -abwicklung.

Verfasser / in:

Michaela Wambacher

Datum:

Fri 25/01/2013

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Kommentare

Anti-gravity

I like the flying white van in the second visualisation. Adds some utopia to the project.

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