minimundus eingang modell
Modell des 'Minimundus' Eingangsbereichs, 1989 - 2013 (voraussichtlicher Abbruch)
©: Klaus Mayr

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Bericht
Die Causa Minimundus

Seit einigen Wochen wird in den regionalen Kärntner Medien über Minimundus, den geplanten Abbruch des bestehenden Eingangsgebäudes inclusive seiner Landmark, der Scala, sowie über die Neugestaltung des Eingangs- und Gastronomiebereichs mit Indoor-Erlebniswelt spekuliert. Das postmoderne Eingangsgebäude und die Scala, eine sich verkleinernde Brücke mit Freitreppe, wurde 1989 als Siegerprojekt eines Wettbewerbs von Architekt Klaus Mayr geplant.
Zu Spekulationen kam es, da zwar im Frühling 2013 ein Architekturwettbewerb in Kooperation mit der Kammer der ZiviltechnikerInnen für Steiermark und Kärnten durchgeführt wurde, die Ergebnisse aber, auf Betreiben des Auslobers, bis heute nicht öffentlich präsentiert wurden. „Öffentlichkeitsarbeit interessiert mich nicht. Wir sind ein privater Betrieb, wenn wir mit der Planung soweit sind, werden wir diese auch veröffentlichen“, erklärte Hannes Guggenberger, Geschäftsführer der Minimundus GmbH. Er bestätigte zwar, dass bereits konkret an einer Einreichplanung gearbeitet wird, lehnt aber jede weitere Stellungnahme zum Thema ab.

Die Minumundus GmbH ist im Eigentum des Vereins Rettet das Kind Kärnten und damit ein privates Unternehmen, das daher nicht dem Bundesvergabegesetz unterliegt. Allerdings steht Minimundus, die mit Modellen internationaler Baudenkmäler Geld verdient und eine wichtige touristische Einrichtung für Klagenfurt darstellt, sehr wohl im öffentlichen Interesse. Zudem stellt die Stadt Klagenfurt bereits jetzt ein Grundstück als Parkplatzfläche zur Verfügung, auf dem auch ein Teil des derzeitigen Eingangsbereichs, die Scala, steht. Für die Neugestaltung und Erweiterung des Eingangsbereichs wird seitens der Stadt Klagenfurt eine weitere Grundfläche zur Bebauung zur Verfügung gestellt. Aus diesem Grund beharrte sie, wie bei jedem anderen Grundstücksverkauf der Stadt, auch gegenüber der Minimundus GmbH, auf die Durchführung eines Wettbewerbs.

Aus dem in der Folge durchgeführten geladenen, einstufigen Realisierungswettbewerb mit sieben Teilnehmern und sechs abgegeben Projekten, ging der Entwurf der Arge Christine Eder und Kurt Falle als Siegerprojekt hervor. Der zweite Rang wurde an die Architektin Christa Binder und der dritte Rang an die Arge Edgar Egger und Reinhard Hohenwarter vergeben.
Die im Anschluss geführten Vertragsverhandlungen mit der Arge Christine Eder und Kurt Falle scheiterten aufgrund der vom Auslober geforderten Umplanung, der geforderten Flächenreduktion und den Vertragsvorgaben (siehe Stellungnahme Arge Eder und Falle weiter unten). Mit der zweitgereihten Architektin Christa Binder wurden keine Verhandlungen geführt. Grund für diese Vorgangsweise des Bauherrn dürfte gewesen sein, dass mit diesem Entwurf der Baukostenrahmen von 4,5 Millionen Euro netto (lt. Auslobung) nicht zu halten war.

Beauftragt wurde der Entwurf der Arge Egger Hohenwarter. Dass der ursprüngliche Wettbewerbsentwurf von Egger-Hohenwarter ausgeführt wird und dieser Entwurf aufgrund von Umplanungen bzw. Verkürzungen „nicht verloren hat“ bestätigte Georg Wald, Jurymitglied, Mitglied der Ortsbildpflegekommission und zuständiger Mitarbeiter der Abteilung Stadtplanung.

Keines der eingereichten Wettbewerbsprojekte hat zudem das bestehende Eingangsgebäude bzw. die Scala in den Entwurf integriert, obwohl diese Möglichkeit im Auslobungstext explizit offen stand. Der Umgang mit dem bestehenden sanierungsbedürftigen Eingangsbereich und der Scala waren im Wettbewerbsvorfeld seitens der Stadtplanung und der Ortsbildpflegekommission intensiv diskutiert worden. „Die Scala weist keine städtebauliche Entsprechung auf. Sie hat sich zwar ins Stadtbild von Klagenfurt eingeprägt, die Idee der Scala wird allerdings nicht gelebt“, so Georg Wald. Das Gespräch mit dem kranken Architekten Klaus Mayr bzw. seiner Tocher Marion Ates wurde im Vorfeld nicht gesucht. Marion Ates kämpft momentan mittels Unterschriftenliste um den Erhalt der Scala. Auf ihre Initiative hin, wird sich nun auch das Denkmalamt mit der Frage der Schützenswürdigkeit der Scala auseinandersetzen.

Eine politische Stellungnahme zur Causa Minimundus war weder vom Stadtrat Herbert Taschek (Tourismus- und Hochbaureferent), noch seitens der Vizebürgermeisterin Maria-Luise Mathiaschitz (Stadtplanung) bzw. seitens des Bürgermeisters Christian Scheider zu erhalten. Es wurde lediglich mitteilt, dass es keine Förderung seitens der Stadt bzw. aus Tourismusmitteln für den Neubau geben wird und dass bisher keine Baueinreichung bzw. kein Abbruchsansuchen an die Behörde ergangen ist.

Mit einer Einreichung des Projekts wird frühestens Ende September 2013 zu rechnen sein.

Sachverhaltsdarstellung der Arge Architekten Eder und Falle (Siegerprojekt des Wettbewerbs, Anm.Red.):

"Sehr geehrte Damen und Herren,

mit sehr großer Verwunderung wurde Ihr Artikel auf http://kaernten.orf.at/news/stories/2599973/ mit dem Titel „Konflikt um Minimundus-Umbau“ wahrgenommen und bedarf nachfolgende Klar- und Richtigstellung:

Der geladene einstufige Realisierungswettbewerb für die Neugestaltung des Eingangs-, Gastronomiebereiches sowie einer Indoor Erlebniswelt für „Minimundus – die kleine Welt am Wörthersee“ wurde in Form einer ARGE bestehend aus folgenden Projektpartnern:

Architektin DI Christine Eder, MSc und Architekt DI Kurt Falle

gemeinsam bearbeitet.

Unser Projekt und Entwurfskonzept wurde im Zuge der Jurysitzung am 19.04.2013 einstimmig als Siegerprojekt gekürt. Für ein 5.000.000 € Projekt erhielten wir 7.000 € als Siegerprämie, das restliche Preisgeld wurde den nachfolgenden Rängen ausbezahlt.

Unser Wettbewerbsbeitrag hat sich minutiös an das Wettbewerbsprogramm gehalten, das durch den Auslober „Minimundus GmbH, Villacher Straße 241, 9020 Klagenfurt am Wörthersee“ festgelegt wurde (s.a. Wettbewerbsauslobung, Protokoll Jurysitzung).

Unser Entwurf hat auch durch eine entsprechende Vorplatzgestaltung auf einen möglichen Erhalt der „Scala" Rücksicht genommen.

Im ersten Gespräch mit dem Auftraggeber „Minimundus GmbH“ wurden wir aufgefordert, das einstimmig gekürte Siegerprojekt komplett umzuplanen mit einer Flächenreduktion um ca. 1000 m², das eine tiefgreifende Änderung des Raum- und Funktionsprogrammes bewirkt hätte, die komplett konträr zu den im Wettbewerb, und durch den Auslober, geforderten Planungsparameter gewesen wären.

Es wäre eine komplette Umplanung erforderlich gewesen, die einen neuen Entwurf ergeben hätte und mit dem durch die Jury einstimmig gewählten Siegerprojekt nichts mehr gemeinsam hätte. Auf diese Art und Weise wäre der Wettbewerb ad absurdum geführt worden.

Aufgrund der vom Auftraggeber „Minimundus GmbH“ vorgegebenen Vertragsgestaltung, die keine seriöse Zusammenarbeit ermöglicht hätte, mussten wir von einer Auftragsannahme Abstand nehmen, da für uns eine wirtschaftlich seriöse Projektbearbeitung auf dieser Basis nicht möglich war.

Mit freundlichen Grüßen
ARGE Architekten Eder und Falle"

Verfasser / in:

Petra Kickenweitz

Datum:

Thu 05/09/2013

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Infobox

Die Neugestaltung des Eingangsbereichs wird nach Plänen der Architekten-Arge Edgar Egger & Reinhard Hohenwarter erfolgen. Sie gingen als Drittgereihte aus dem Wettbewerbsverfahren hervor.
Die Wettbewerbssieger, die Arge Christine Eder und Kurt Falle, haben den Auftrag, unter nachvollziehbaren Voraussetzungen, abgelehnt.

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