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Preisträger Steiermark: Haus SH, Zubau. tmp architekten | tischler mechs projekte, Graz
Architektur: .tmp architekten | tischler mechs projekte, Foto: paul ott photografiert, ©: paul ott photografiert

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Bericht
Das beste Haus 2013 _ die Sieger

In Kooperation mit dem Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur, dem Architekturzentrum Wien und unter Mitarbeit der regionalen Architekturinstitutionen in den Bundesländern suchte die Bausparkasse der österreichischen Sparkassen AG die besten Einfamilienhäuser Österreichs.
Für Das beste Haus 2013 wurde eine mannigfaltige Palette unterschiedlicher Gebäudetypologien unter verschiedensten topografischen Voraussetzungen eingereicht. Die Fachjury, unter dem Vorsitz von Karoline Mayer, Architekturzentrum Wien, war besetzt mit je einer Vertreterin bzw. einem Vertreter für die neun Architekturinstitutionen aus den Bundesländern. Die Jury wählte aus 112 Wettbewerbsbeiträgen in einem ersten Durchgang die besten 29 Einfamilienhäuser, aus denen dann in der zweiten Bewertungsrunde die neun Bundesländersieger hervorgingen.
Prämiert wurden herausragende Beispiele von Alltagsarchitektur: Bei einer Vielzahl der prämierten Projekte handelt es sich um Verdichtung im Bestand, um Umbauten, Zubauten und auch Sanierungen. Hier lässt sich ein stärker werdendes Bewusstsein für ein kontextuelles Miteinander von Alt und Neu feststellen. Die Bandbreite der unterschiedlichen konzeptuellen und architektonischen Ansätze bei dieser speziellen Bauaufgabe ist bemerkenswert. Egal ob Neu- oder Umbau, es ist ein klarer Trend einerseits zu natürlichen, rohen und vor allem lokalen Baumaterialien zu erkennen, andererseits finden sich hier aber auch vermehrt Experimente wieder. Wurde in den ersten Ausgaben des Preises ein ökologisches Gebäudekonzept noch positiv hervorgehoben, kann man nun erfreulicherweise sagen, dass dies inzwischen zum Standard geworden ist.
Die von der s Bausparkasse und dem Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur gestiftete Preissumme beträgt pro Projekt 6.000,- Euro (je 3.000,- Euro für ArchitektIn und BauherrIn).

Die SiegerInnen 2013 nach Bundesländern geordnet:

Burgenland
Preisträger, FORUM LIMBACH
Objekt: Vierkanthof – Baulückenverbauung
Besonderheit: Obergeschoß als „Haus auf dem Haus“
Grundfläche (bebaute Fläche): 180 m2
Wohnfläche: 150 m2
ArchitektIn/PlanerIn: Looping Architecture
„An der Stelle des ehemaligen Schweinestalls wird der Innenhof des Vierkantensembles unkonventionell offen geschlossen. Das transparente Wohn- und Ateliergebäude ist in die historische Struktur eingepasst. Es bietet tiefgehende Einblicke ins eigene Innere und spannende Durchblicke ins jeweilige Dahinter. Es herrscht ein reger Dialog zwischen Außen und Innen sowie zwischen Alt und Neu. Das augenfällige Obergeschoß kokettiert selbstironisch mit seinen Nachbarn. Die Ungeschliffenheit der verwendeten Materialien versprüht einen spröden Charme und einen unfertigen Charakter. Das neue Gebäude signalisiert Aufbruchsstimmung inmitten morbider Substanz – ein beherztes Fortbauen am Bestand.“ Erich Kugler, Juror, Architektur RaumBurgenland.

Kärnten
Preisträger, Backboard
Objekt: freistehend, Zubau
Besonderheit: funktionale, optisch spektakuläre Lösung eines Schallproblems
Grundfläche (bebaute Fläche): 150 m2
Wohnfläche: 200 m2
ArchitektIn/PlanerIn: Winkler+Ruck Architekten
„Eine gekonnte Sanierung und Erweiterung eines ehemaligen Pförtnerhauses von Architekt Franz Baumgartner, das im Hinblick auf die sonst so maßlos überzogene Bautätigkeit am Wörthersee zu überzeugen vermag. Die Entkernung des Bestands eröffnet neue Räume und Ausblicke. Der in zweiter Reihe parallel zur Bahnlinie gestellte Neubau beinhaltet die funktionalen Räume und bietet den notwendigen Schallschutz. Mit der gewohnt konsequenten und hochwertigen Innenraumgestaltung ist es ein sehr gelungenes Beispiel für einen zeitgemäßen Umgang mit historisch wertvollem
Bestand.“ Gerfried Ogris, Juror, Kärntens Haus der Architektur.

Niederösterreich
Preisträger, gemini+ wohnlandschaften im wienerwald
Objekt: freistehend
Besonderheit: flexibles Raumkonzept, Selbstbau
Grundfläche (bebaute Fläche): 224 m2
Wohnfläche: 410 m2
ArchitektIn/PlanerIn: AL1 ArchitektInnen, bauchplan ).(, grundstein und Peter Kneidinger
„Zwei Häuser, so lebendig wie ihre Bewohner. Die im Selbstbau entstandenen Baukörper stehen sich fein
gegenüber und berühren sich fast beim gedeckten, gemeinsam genutzten Eingangsbereich. Die Fassade ist aus Stegplatten, die Konstruktion aus Beton und Holz, der Fußboden aus Stampflehm. Die natürlichen Risse im Lehm werden für die Kinder beim Spielen schon mal zur Pferdetränke und dürfen dann nicht geschlossen werden. Ein Badezimmer als Durchgangsraum, die Innenwände sind flexibel und werden sich den zu erwartenden Änderungen einmal gut anpassen. Den Sonnenschutz übernehmen die zahlreichen Obstbäume am Grundstück. Einfach und stimmig.“ Harald Höller, Juror, ORTE Niederösterreich.

Oberösterreich
Preisträger, Haus 001
Objekt: freistehend
Besonderheit: kosteneffiziente Materialien, optisch attraktiv inszeniert
Grundfläche (bebaute Fläche): 298 m2
Wohnfläche: 178 m2 (+ 60 m2 Garage)
ArchitektIn/PlanerIn: Moser und Hager Architekten
„Erst auf den zweiten Blick erschließt sich die Logik dieses zeitgemäß interpretierten Satteldachhauses. Sie
folgt konsequent einem selbstbewussten Programm, das in intensiver, engagierter Auseinandersetzung
zwischen Bauherren und Architekten entwickelt wurde: kompromisslose Umsetzung der gemeinsam definierten Ziele – sowohl in räumlicher und ästhetischer, aber auch finanzieller Sicht. Der Ausblick auf die Donau samt anschließendem Alpenvorland wurde in die Innenräume über Schwellenbereiche und bewusste Fassadenausschnitte integriert. Die materialtechnische Rohheit ist dem Budget geschuldet, jedoch geschickt inszeniert und mit hohem Gebrauchsmehrwert samt Wohlfühlfaktor umgesetzt.“. Michael Schröckenfuchs, Juror, afo – Architekturforum Oberösterreich.

Salzburg
Preisträger, Aufberg 1110
Objekt: freistehend
Besonderheit: gelungene Einbindung eines klar geschnittenen Baukörpers in die Natur
Grundfläche (bebaute Fläche): 90 m2 Wohnung, 50 m2 Nebengebäude
Wohnfläche: 180 m2
ArchitektIn/PlanerIn: meck architekten gmbh.
„Der klar geschnittene Baukörper aus Holz wirkt durch seine Homogenität wie eine Skulptur in der Landschaft, aus dem Hang geformt, einfach und klar. Die naturbelassene, raue Lärchenschalung wird das Haus in Würde altern lassen, es wird immer mehr als Bestandteil der Landschaft verstanden werden. Die Erlebbarkeit des Holzes, scheinbar einfache Details und die zeitgemäße Verwendung hochwertiger heimischer Materialien lassen ein Gebäude entstehen, das eine Atmosphäre von hoher Authentizität und Behaglichkeit generiert.“ Karl Thalmeier, Juror, Initiative Architektur Salzburg.

Steiermark
Preisträger, Haus SH
Objekt: freistehend, Zubau
Besonderheit: starke Verflechtung von Bestand und Zubau
Grundfläche (bebaute Fläche): 163 m2
Wohnfläche: 162,5 m2
ArchitektIn/PlanerIn: .tmp architekten | tischler mechs projekte
„.tmp architekten strukturierten nicht nur räumliche Zusammenhänge durch behutsame Eingriffe neu, sondern entwarfen auch einen Wintergarten, der im rechten Winkel an den Bestand anschließt. Das Faltwerk aus Sichtbeton, dessen Form das Satteldachmotiv aufgreift und interpretiert, umfasst wie eine Hand den Raum für die Pflanzen, schottet das Grundstück straßenseitig ab und schafft eine intime Hofsituation. In den Wintergarten ist eine zweite Treppe integriert, was neben neuen Durchwegungen ein bisher undenkbares Wechselspiel von offenen und geschlossenen Raumfolgen ermöglicht.“ Eva Guttmann, Jurorin, Haus der Architektur Graz.

Tirol
Preisträger, haus most
Objekt: freistehend
Besonderheit: ungewöhnliche Lösungen für Naturnähe, Offenheit, Kosteneffizienz
Grundfläche (bebaute Fläche): 62 m2
Wohnfläche: 90 m2
ArchitektIn/PlanerIn: günter mohr-architekt.
„Trotz seiner geringen Dimensionen überrascht das Haus durch eine Vielzahl an Funktionen und unkonventionellen Lösungen. So gibt es zwei separierte, von außen erschließbare Wohneinheiten, einfache Erweiterungsmöglichkeiten durch die außen liegende Treppe oder zusätzlichen Stauraum in einem – nicht genehmigungspflichtigen – in den Hang eingegrabenen Betonrohr. Diese Planungsintelligenz bietet den Nutzern einen hohen Mehrwert trotz überschaubarer Kosten. Auch intern finden sich ideenreiche Design-und Raumlösungen. Neben dem weiten Ausblick ins Tal bieten raumhohe Fensteröffnungen überraschende Blicke auf den rückseitigen, grün bewachsenen Hang. Ein gut durchdachter, bemerkenswerter Beitrag.“ Andreas Flora, Juror, aut. architektur und tirol.

Vorarlberg
Preisträger, Umbau Haus S.
Objekt: freistehend
Besonderheit: thermische Sanierung mit regionalen Ökomaterialien
Grundfläche (bebaute Fläche): 137 m2
Wohnfläche: 169 m2
ArchitektIn/PlanerIn: GEORG BECHTER Architektur und Design
„Die wundersame Wandlung. Zwischen die Mehrgenerationenhöfe in Holz drängen sich im Bregenzerwald der Nachkriegszeit Einfamilienhäuser in Ziegel. Das prämierte Haus verweist exemplarisch auf das Umbaupotenzial dieser Bauepoche. Der Architekt nimmt kluge räumliche Umschichtungen vor und fügt das Innere zur atmosphärischen Abfolge von Weg und Platz. Das Haus erhält einen wärmespeichernden Mantel aus Strohballen, darin schräg eingestanzt die Fenster, sie holen Licht und Landschaft tief in den Raum. Nach außen verdichten langlebige Schindeln die gelungene Metamorphose. Eine formal und ökologisch nachahmenswerte Alternative zum allseits betriebenen Vollwärmeschutz.“ Marina Hämmerle, Jurorin, Vorarlberger Architektur Institut.

Wien
Preisträger, Villa W
Objekt: freistehend
Besonderheit: Temperaturvariabilität der Fassadenverkleidung als Gestaltungselement
Grundfläche (bebaute Fläche): 233 m2
Wohnfläche: 428 m2
ArchitektIn/PlanerIn: Oskar Leo Kaufmann, Albert Rüf.
„Die helle Farbe der Fassadenverkleidung und der geschmiedete Aluminiumscreen lassen das klare
Volumen elegant mit seinem Kontext verschmelzen. Die differenzierten Raumhöhen in Kombination mit der
offenen Galerie, mit hochwertigen Materialien, diagonalen Sicht- und vertikalen Raumbezügen schaffen einen spannenden Innenraum, der gleichzeitig Großzügigkeit und Wärme ausstrahlt. Der wunderbar gelungene nahtlose Übergang zwischen Innen und Außen vermittelt ein Gefühl der Weite. Ein architektonisches und vor allem handwerkliches Meisterwerk. Entstanden für und mit einer Bauherrenfamilie, die sich bewusst auf gute Architektur eingelassen und auf Lifestyle-Inszenierung verzichtet hat.“ Karoline Mayer, Jurorin, Architekturzentrum Wien

Verfasser / in:

Redaktion GAT GrazArchitekturTäglich

Datum:

Thu 25/04/2013

Terminempfehlungen

Infobox

Das beste Haus 2013 -
der Architekturpreis der s-Bausparkasse, wurde
am 24. April im Az W an neun Einfamilienhäuser in neun Bundesländern vergeben.

Ausstellung
25. April – 13. Mai 2013
im Az W - Architekturzentrum Wien

Danach geht die Ausstellung auf Wanderschaft in die Bundesländer.

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