Alpacher Baukulturgespräche aktuell
Alpbacher Baukulturgespräche 2013: Claudia Gerhäusser berichtet aktuell aus Alpbach
©: Claudia Gerhäusser

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Bericht
Alpbacher Baukulturgespräche 2013

Kooperation – Potenzial der Baukultur

Das Forum Alpach entstand aus der Idee heraus, durch Gespräche zwischen verschiedenen Disziplinen in der Welt die Chance auf bessere Entwicklungen zu nutzen. Es ging darum, die Welt etwas weniger schlecht werden zu lassen und ein Botschafter für Frieden und Dialog zu sein. Impulse, so könnte es auch heute sein, entstehen durch die Begegnungen in Alpbach. Welchen Impuls die Baukulturgespräche vermitteln können wird sich zeigen. Ihr Wert liegt sicher im Dialog, da ermöglicht wurde, dass lokale Bürgermeister auf kanadische Harvard Professoren treffen oder die britische Soziologin Anne Power mit dem Wiener Tourismusdirektor an einem Tisch sitzt. Mit dem Thema der Stadt gab es ein global relevantes Feld, das von vielen Seiten her betreten werden konnte.

Was bleibt sind Gedanken, die formuliert wurden mit dem Ziel einzelne Positionen zu verbinden. Wenn Anne Power über unserer Städte spricht und erklärt, welchen Weg die industrialisierten Städte bis heute gegangen sind - „first we had the industrial growth explosively, than the industrial collapse occurred in the second half of the 20th century, and finally there happens with the resource restrain that smaller enterprises start to develop“ - dann lässt sich das auf dem Forum Alpach mit den durch Cathy Lang Ho so vehement verteidigten Guerilla Aktionen einzelner Stadtbewohner zusammen lesen.

In vielen Diskursen tauchte eine klare Botschaft auf: Dass Grenzen überschreitende und dezentral organisierte Kooperationen, also nicht mehr nur Partizipation allein, die nachhaltigste Methode für die nächsten 20 Jahre sein wird. Dabei ist es gleich, ob der Tansanische Präsident diese Gedanken auf dem hochkarätig besetzten Abschlusspodium formuliert oder ein junger Student auf dem Science Slam die Abkürzung DIT (Do It Together) statt DIY (Do It Yourself) prägt.

In Architektur und Design rüttelt die schleichende Irrelevanz der eigenen Disziplin auf. Landschaftsarchitekten, wie Pierre Belanger, aber auch der Bürgermeister von Leoben, Matthias Konrad, drängen aus diesem Grund auf Zusammenarbeit. Dabei scheint es keine Rolle zu spielen, ob das auf lokaler oder globaler Ebene geschieht. Leider wurde aber ein Link zwischen den Ebenen nicht geschafft, da zurzeit noch die gemeinsame Sprache fehlt.

In den Baukulturgesprächen wurde vermittelt, dass sich die Gedankenwelt der Architekten schnellstens verändern müsse, sollte man nicht Gesicht und Einfluss verlieren wollen. Aber ob man das jetzt im Kleinen umsetzen wird? Warum wurde nicht gebaut, nicht die Alpbacher Bevölkerung eingebunden? Warum wird trotz Guerilla Empfehlungen keine Aktion vor Ort umgesetzt, die in kurzer Zeit Entscheider unterschiedlichster Disziplinen erreichen würde? Es gäbe die Chance auf ein bisschen mehr Absurdität und Brüche, um weiter den Diskurs anzukurbeln und zu bereichern. Könnte man direkt auf dem Forum Alpach selbst die Teams von morgen aufbauen?

Hier läge das Potenzial der Baukultur, ihr eigentlicher Charakter, da sie durch das Bauen im Team entsteht! Was es braucht, ist das Herausholen der Gespräche aus dem begrenzten Raum des Kongresszentrums. Baukultur ist greifbar. Für ein nächstes Jahr könnten weiterhin die Gespräche auf hohem Niveau geführt und wirkungsvoller Enthusiasmus thematisiert werden, aber auch ein Schritt in die aktive Bau-Kultur gewagt werden.

Zum Abschluss des Forums spielen Mitglieder der Wiener Philharmoniker Mozart: ein Quartett, ein Team, gelungene Kooperation, viel Arbeit und lange Nachhallzeit - ein klares Rollemodell für die Zukunft!?
(Live aus Alpach, Sa, 31.08.13, 22:15 Uhr)

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Zitierte Gedanken aus den Gesprächen:
„True Freedom lies in the ability to continue developing ourselves“ (Peraphan Jittrapirom)
„Die Metabolismen des Geldes bleiben in der Wirtschaft abstrakt, in der Architektur und in unseren Städte aber, materialisieren sie sich, werden sichtbar und bleiben“ (Caspar Einem)
„It’s time to change - to stop thinking as engineers about our cities“ (Pierre Belanger)
„A better world by 2030 is possible“ (Amina J. Mohammed)
„Can we make Europe more livable? I can’t imagine. But we can increase the amount of options, by decentralise and reducing planning.“ (Pierre Belanger)
„What is the speed of change?“ (Amina J. Mohammed)
„Get to know, why places could fail to function in vitality“ (Cathy Lang Ho)
„There wont be places for everybody, even if they are called public space“ (Tihomir Viderman)
„If you give to the people the right technique, you wont be able to plan or control anymore – so give it to them“ (Frank Christian Hinrichs)
„Festivalisation is not the solution fort he public sphere“ (Angelika Fitz)

Verfasser / in:

Claudia Gerhäusser
Europäisches Forum Alpbach

Datum:

Thu 29/08/2013

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Alpbacher Baukulturgespräche 2013
Do. 29.08.2013, 12:30 Uhr bis
Fr. 30.08.2013 19 Uhr

Claudia Gerhäusser berichtet aktuell aus Alpbach.
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Claudia Gerhäusser
Dipl. Ing. Architektur, Bauhaus Universität Weimar und MA of Exhibition Design, Fashion Inst. of Technology, NYC:
Gerhaeusser kam 2010 nach Graz. Zuvor lebte und engagierte sie sich in Weimar, Berlin und New York, immer mit dem Blick für urbane Räume und Veränderungen.

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