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Diskussion
Fri 07/03/2014 19:00pm
ÖGFA: Das Geschäft mit der Stadt _ kooperativ?
Chancen und Grenzen kollektiver Planungsprozesse
Wien

Podiumsdiskussion zum Programmschwerpunkt 2013/14: Das Geschäft mit der Stadt

kooperativ? verfahren?
zu Chancen und Grenzen kollektiver Planungsprozesse

Mit: Marlies Breuss, Walter Chramosta, Rudolf Kohoutek, Robert Korab

Wenn Urbanität eine Frage des Bewusstseins ist, des Witzes, wie Robert Pfaller meint – was können dann Planungsverfahren zur Entwicklung städtischer Zivilisation beitragen? Wo müssten sie ansetzen? Wer müsste wie zur Sprache kommen?
Verfahren werden in postindustriellen Gesellschaften mehr denn je zielorientiert eingesetzt und optimiert. Auch Dienstleistungen, zu denen Planungsverfahren gewöhnlich gezählt werden, unterliegen einer permanenten Qualitätskontrolle, einer lückenlosen Normierung, einer objektivierten Evaluierung – diese Vorstellung scheint jedenfalls Planungsabteilungen, Verwaltungen, Berufsvertretungen, und Rechtsabteilungen ergriffen zu haben. Aber wann und wo wird die Frage nach den Zielsetzungen gestellt?

Wenn geistige Leistungen, als die Planungsleistungen bislang gelten, definitionsgemäß nicht definierbar sind, bevor sie erbracht wurden, wird die Herausforderung klar, der sich Planungsverfahren stellen. Kooperation scheint hier einen Ausweg zu versprechen: Sie könnte diejenigen zur Sprache, zur Teilhabe am Öffentlichen bringen, deren Bewusstsein Urbanität entstehen ließe. Aber lässt sich Kooperation „top down“ verordnen? Stößt der „Witz“ der Betroffenen nicht an Grenzen, wo es um Verteilungs(un)gerechtigkeit geht, um extreme Machtunterschiede, um unvereinbare Interessensgegensätze? Entledigt sich Politik ihrer politischen Verantwortung, wenn sie über diese Unterschiede hinweg zum Aushandeln von Gegensätzen animiert? Wo ist weiterhin langfristige Planung angesagt? Gibt es allgemeine Interessen, die auch in kooperativen Verfahren grundsätzlich nicht verhandelbar sein sollen, und werden sie als Vorgaben konkret und operabel? Auch wenn Kooperation hilft, den planerischen Zirkel aufzubrechen und ein Projekt in Gang zu bringen, ohne eine Partei zu überrollen, bleibt die Frage nach den Voraussetzungen. Wer legt sie fest ohne urbanistischen Grundkonsens? Oder wäre der das Ziel des eigentlich notwendigen kollektiven Planungsprozesses? Nicht als verordnetes „bottom up“ zur Legitimation des „Geschäfts mit der Stadt“, sondern auf Augenhöhe mit der Komplexität der Stadt.

„Bauen ist eine kollektive Handlung“ schrieb Hannes Meyer 1939. Was er „Mitwirkung des Publikums“ nannte, wurde seit den 1960er Jahren als Partizipation systematisch entwickelt und hat nunmehr Fragestellungen städtischen Maßstabs erreicht. Das „Publikum“ wird divergent, potentiell diffus, und die Organisation der Prozesse, für Meyer noch die Architektenaufgabe, mutiert zur Moderation durch Spezialisten. ExpertInnen? Werden auch moderiert. Gebärden sie sich als pechakucha. Entwerfer? Spielen sie den Part der willfährigen Technokraten? Oder liefern sie Zahlen und Bilder für noch unklare Vorstellungen, Wünsche? Ist auch ihre Fähigkeit zu Analyse, Kritik und Interpretation gefragt, zum Synthetisieren von Typen, zum Setzen von Denkanstößen und zum Stellen der entscheidenden Fragen? Wer übersetzt das „urbane Bewusstsein“ in Strukturen gebauter Umwelt? Braucht das nicht Imagination?
Und: Wird der Unterschied zwischen der fluiden „Software“ urbaner Kultur, sozialen Raums, der Formen von Aneignung und Teilhabe, deren Update-Rate sich oft in Monaten misst und der „Hardware“ der Straßen und Gebäude, der Bäume und Bahntrassen, die auf Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte, die Entwicklung und den Zustand einer Stadt bestimmen (auch wenn sie ihre Funktion ein Dutzend Mal verändert, ihre ursprüngliche Bedeutung längst eingebüßt haben), nicht sträflich unterschätzt? Besteht städtische Kultur nicht (auch) darin, dass sich der Witz an Steinen entzündet?
Was also können, was sollen Kooperative Verfahren?
Die ÖGFA lädt zu einer Podiumsdiskussion mit AktivistInnen und Experten, KritikerInnen und Proponenten. (Text: Andreas Vass)

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