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Nachtrag zum Artikel

Etwas Großes war vor gut 150 Jahren auch Graz zu haben: die Franckisierung des Glacis zwischen 1862 und 1889 des Glacis als Stadtpark. Vor der Stadtmauer wurde auf dem Schussfeld von der Kriegsstellebastei und der Paulustorbastei im Norden bis zur Landschaftsbastei im Süden der Grazer Stadtpark als bebauungsfrei zu erhaltende Parkanlage angelegt. Er entstand auf Initiative des Bürgermeisters Moritz Ritter von Franck, nachdem das Gelände des Glacis vom Militär gegen Bezahlung von der Gemeinde übernommen worden war.
Bebauungen gab es außerhalb der Stadtmauern in der Murvorstadt und weiter draußen. Einen Plan der Bebauung im Osten, direkt an das Glacis anschließend, schuf erst die Entscheidung, das Glacis bebauungsfrei zu halten und die Glacisstraße als Bebauungsgrenze zu bestimmen. Damit wurde die letzte große städtebaulich qualitätsvolle Stadterweiterung in der Gründerzeit möglich.
1857 schrieb die Parkkommission der Stadt New York einen Wettbewerb zur gärtnerischen Gestaltung eines großen Teils von Midtown Manhattan aus, der zum Central Park (1858-1873) werden sollte: eine Parklandschaft als Ersatz für bauliche Entwicklung von Grundstücken in wertvoller Lage. Auch der Grazer Stadtpark ist so etwas, dem kleineren Maßstab der Stadt angemessen, aber vergleichsweise großartig.
Zwischen 1853 und 1870 fanden die großen baulichen und gärtnerischen Eingriffe in die Stadtstruktur von Paris statt, die es zur Weltstadt machten. Großes zusammenhängendes Bauland vor dem Glacis und daran anschließendes erweiterten das bis dahin wohlgeformte Graz um damals moderne gründerzeitliche Viertel. Hätte es nur so weitergehen können wie in Paris, Graz als ganz-klein Paris, was hätten wir für eine Stadt!
Diese haben wird nicht. Ein Dreivierteljahrhundert der Vernachlässigung führte dazu, dass man den Eindruck hat, Graz sei heute so, wie es sich eine Provinz(haupt)stadt als Landeshauptstadt wünscht, sozusagen als Primus inter Pares. Der letzte Plan, der dazu angetan war, etwas daran zu ändern, war der (Hermann) Wengert- Grünflächenplan für Graz von etwa der Mitte der 1950er-Jahre. Nicht auf Baumassen zielte der Plan ab, sondern auf miteinander vernetzte Grünräume. Eine Veröffentlichung dieses Planes in einer Zeitung habe ich noch während meines Studiums gesehen.

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