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Schöne Geschichte, schöne Glosse.

Danke dafür, Mathias Grilj. Bei mir zuhaus gabs auch immer wiederkehrende Zigeuner, sie durften ihr temporäres Quartier in einem schäbigen Wald nahe dem Thalerhof aufschlagen, genau dort, wo heute der südliche Teil des Skulpturengartens ist. Oder wurde er ihnen von der Gemeinde zugewiesen? Keine Ahnung. Ich war neugierig auf das Geschehen dort, nur darauf, und fuhr heimlich mit dem Rad dorthin, immer allein, damit mich niemand verraten könne. Das war für eine 6-jährige, 7-jährige und maximal 8-jährige (danach kamen zwei Jahre Klostervolksschule und Klosterinternat) weit, aber es war die weite Welt. Zelte und Campingsessel, diese zinnernen Waschschüsseln, einzelne Wohnwagenanhänger zwischen den Riesenkübeln von tiefliegenden Mercedes, die sonst nur ein paar Bauern im Dorf hatten. Wir nicht. Ich hab mich auch versteckt und geschaut und gelauscht, einer Sprache, die mir fremd war und fremd blieb. Für mich als bis dahin frei und wild aufwachsendes Kind von immer arbeitenden Geschäftsleuten, ein Kind mit einer einzigen Regel (im Sommer), die hieß, wenn es Siebene läutet, kommst du heim, für mich war das Leben der Zigeuner die Vorstellung von großer Freiheit, einer noch größeren als die, die ich damals hatte und deren Wert ich noch nicht benennen konnte.

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