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Öffentliche Diskussion überfällig!

Die architektonische Qualität kann über das gegenwärtige Wettbewerbswesen unter den Prämissen der Wohnbauförderung meiner Meinung nach nicht mehr erreicht werden.
Visionäre und experimentelle Projekte mit einer derartig hohen Bewohnerzufriedenheit wie in der Terrassenhaussiedlung sind damit heute nicht mehr realisierbar. Das Modell Steiermark und die Qualität der Bauten, die es hervorbrachte und die internationale Beachtung fanden, gibt es seit gut 20 Jahren nicht mehr – dafür gibt es im Wohnbau eine mannigfaltige, pastellfarbige, uniformierte Standardarchitektur, die jegliche Erkenntnisse aus den unzähligen Wohnzufriedenheitsbefragungen, Wohnungsbewertungssystemen, Evaluierungen und soziologischen Studien außer acht lassen. Ganz zu schweigen von der Beachtung der sogenannten „baukulturellen Leitlinien“. Ein steiermarkweit installierter Gestaltungsbeirat im Rahmen jeder Baueinreichung wäre meiner Meinung nach derzeit die einzige Möglichkeit zur verpflichtenden Beachtung der baukulturellen Leitlinien – und damit ein wesentlicher Schritt zur Umsetzung der Forderungen im Baukulturreport.
Deshalb stellt sich für mich hier nicht die Frage „Wettbewerb, Direktauftrag oder Gestaltungsbeirat“. Die Beistellung eines „Gestaltungs“-Beirates beim Wohnbauprojekt Zeillergasse erfolgte lt. meinen Quellen IN ANLEHNUNG an das Grazer Modell, analog dem Projekt Nahverkehrsdrehscheibe Hauptbahnhof (siehe GAT Status Quo: Nahverkehrsdrehscheibe Graz Hauptbahnhof) noch unter Federführung von Michael Redik.
Mit dem Artikel "Kommunaler Wohnbau anDers – Auch im Planungsprozess?" sollte aufgezeigt werden, welcher Aufwand gegenwärtig betrieben werden muss, um im sozialen Wohnbau die eigentlich selbstverständlichsten Punkte umzusetzen, wie Gemeinschaftsraum, Quartierspark, etc.
Es geht darum, qualitätsvolle, fortschrittliche Architektur unter Einbindung der Erkenntnisse der Soziologie zu planen, um ein friedliches, multikulturelles Zusammenleben zu ermöglichen, mit hoher Lebensqualität in der Stadt auch für jene Bevölkerungsteile, die nicht zur Mittelschicht zählen. Und man beachte: der Bedarf an sozialen Wohnbau wird steigen! (Bevölkerungsentwicklungsprognosse Statistik Austria bis 2050).

Das Modell Steiermark war sicher auch nicht perfekt, die partizipative Einbindung der Bewohner nicht unproblematisch, aber anstatt einer kritischen Analyse, Evaluierung, Adaptierung, des Erhalts des experimentellen Charakters und der Festschreibung von baukulturellen Qualitätsstandards wurde es politisch mit den Landtagswahlen 1991 und der Übergabe des Wohnbaureferates an die FPÖ (sic!) abgewürgt. Vielmehr ist heute die Machtposition der gemeinnützigen Wohnbauträger gefestigt, sind die Wohnbaufördermittel mittlerweile bis 2014 gebunden, ist die Architektenleistung auf die Einreichplanung eingeschränkt!

Wir stehen derzeit vor einer möglichen politischen Neubesetzung – daher wäre eine offene Diskussion umso anstrebenswerter.

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