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Diverse -kurz
Fr. 24/03/2017 19:00h
kunsthaus muerz: Lesung Achleitner
Mürzzuschlag

Friedrich Achleitner liest aus 'wortgesindel'

"Herr Feige und Herr Mut unterhalten sich über einen mutmaßlichen Feigling; in des Teufels Küche sitzt ein Möchtegern, der keiner sein will; ein besoffener Kapuziner und ein Mohr im Hemd gehen am Wiener Stephansplatz auf einen Türkischen Honig; und im Hinterzimmer des Braugasthofes findet ein sechzigjähriges Maturatreffen statt. Friedrich Achleitner, der als Mitglied der legendären Wiener Gruppe einst die Mythen der traditionellen Poesie in ihre Teile zerlegte, geht dem Sinn, dem Hintersinn, aber auch dem Unsinn der Wirklichkeit auf den Grund. Auf pointierte Weise spießt er Redensarten auf, karikiert Phrasen und hinterfragt modische Begriffe." (Verlagstext)

"zu wortgesindel fällt mir nichts ein", so der letzte Satz aus wortgesindel. Dass einem rasiermesserscharfen Sprachsezierer nichts (mehr) einfällt zu jemand oder etwas anderem, ist ein deutlicher Verweis des diesen Satz schreibenden Autors Achleitner auf einen anderen Sprachpräsentierer: auf Karl Kraus und seinen berühmten Satz anstelle einer Antwort auf die sich selbst 1934 gestellte Frage, "Warum die Fackel nicht erscheint", der lautet: "Mir fällt zu Hitler nichts mehr ein." (Fackel 890, 1934, S. 2) Und ebenso, wie Kraus in alle Winkel des sprachlich Ausdrückbaren, und damit vielleicht Denkbaren, Erdenklichen und Verkommenen, mit seiner Spracharbeit leuchtet, so stellen Achleitners 96 Prosaminiaturen sprachliche Besonderheiten (Regularitäten wie Abstrusitäten) aus und vor.

Friedrich Achleitner, geboren 1930 in Schalchen, Oberösterreich, Mitglied der Wiener Gruppe. Bis 1998 Professor an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien.
Bücher (u.a.): Österreichische Architektur (1980 ff.), und oder oder und (2006), quadratroman (Neuauflage, 2007), der springende punkt (2009), iwahaubbd (2011), Den Toten eine Blume. Die Denkmäler von Bogdan Bogdanovic (2013), Wie entwirft man einen Architekten?: Porträts von Aalto bis Zumthor (2015), Friedrich Achleitners Blick auf Österreichs Architektur nach 1945 (2015) wortgesindel (2015).

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